Ist Sterbehilfe in allen Altersheimen akzeptiert?

MS - 12.03.2019.
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"Meine Mutter, 79 Jahre, lebt in einem Pflegeheim und ist unheilbar erkrankt. Sie hat mit uns, ihren Kindern, über das Thema Sterbehilfe gesprochen. Sie könne sich vorstellen, falls der Moment der Unerträglichkeit der Schmerzen komme, den Zeitpunkt des Todes selber wählen zu wollen. Leider teilte man uns von Seiten der Heimleitung mit, dass Sterbehilfe in der Institution nicht geduldet werde. Wie finde ich heraus, welches Heim ggf. Sterbehilfe zulässt?" - Miriam, 49 Jahre, Angehörige


Leider sind immer noch viele Alters- und Pflegeheime in der Schweiz gegen Sterbehilfe - sprich sie gewähren den Sterbehilfe-Organisationen keinen Zutritt.

Das Thema Sterbehilfe und Freitod ist bereits heute ein viel diskutiertes Thema. Die nächste Generation unserer Gesellschaft setzt sich schon heute oft in Gedanken mit diesem Thema auseinander.

Der persönliche Wunsch jedes Einzelnen und jeder Einzelnen im Alter bei Bedarf den Zeitpunkt des Todes selbst bestimmen zu können (wenn die Gesundheitsumstände z.B. aufgrund einer unheilbaren Erkrankung nicht mehr einem würdigen Leben entsprechen sollten), wird je länger desto mehr ein Kernthema der heutigen Gesellschaft.

Im Jahr 2014 fanden fanden gemäss unseren Recherchen rund 60 der 583 Freitodbegleitungen durch Exit in Alters- und Pflegeheimen statt. 

Es ist heute oftmals noch die Regel, dass Heime den Sterbehilfeorganisationen den Zutritt verweigern. Auch kann es sein, dass sie darauf bestehen, dass die sterbewillige Person für den Suizid von der Pflegeabteilung in eine Alterswohnung disloziert.

Viele Institutionen in der Schweiz haben derzeit noch die folgende oder ähnliche Regelungen: Sterbehilfe ist grundsätzlich verboten oder aber verpönt. 

Zugleich bieten immer mehr dieser Institutionen mögliche Alternativen, wie z.B. im Ausnahmefall Sterbewillige an einen anderen Ort zu begleiten, damit sie dort die Dienste einer Sterbehilfeorganisation in Anspruch nehmen ­können, an. 

Aufgrund der Veränderung der heutigen Gesellschaft, und des damit verbundenen, offeneren Umgang mit dem Thema Tod, Suizid und Sterbehilfe (Enttabuisierung), nimmt die Zahl der Altersheime, welche Sterbehilfe zulassen, zu.

Viele öffnen sich diesem Thema und deren damit verbundenen Umsetzung.  Oftmals jedoch nur unter gewissen Bedingungen:  z.B. dürfen die Mitarbeitenden der Organisation in solchen Fällen dann weder bei der Vorbereitung noch bei der Durchführung helfen und / oder anwesend sein. 

Hinzu kommt heute noch die Grundhaltung vieler Institutionen, dass sterbewillige Kurzaufenthalter nicht aufgenommen werden, da sich dieser Sektor generell vom  Sterbetourismus (auch von z.B. von ausländischen Kunden) distanzieren möchte.

Generell ist jedoch zu sagen, dass die Beantwortung von Fragen zum Thema Sterbehilfe in Alters- und Pflegeheimen heute immer noch sehr schwierig ist. Jeder Kanton behandelt dieses Thema und deren Regelung individuell und nach der jeweiligen politischen und kantonalen Ausrichtung.


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Bildquelle: Fotolia


Ihr Orahou.com Team


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