Interview: Spitex-Präsident Heiniger: «Der Staat darf sich nicht um seine Verantwortung für die Alterspflege foutieren» (nzz.ch)

CZ - 19.11.2019
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Spitex-Präsident Heiniger: «Der Staat darf sich nicht um seine Verantwortung für die Alterspflege foutieren»


(Quelle: nzz.ch, Simon Hehli, 19.11.2019)


Die Spitex schlägt sich herum mit Personalmangel, Geldsorgen und ausländischen Klienten, die kein Deutsch verstehen. So geht ihrem neuen Präsidenten Thomas Heiniger die Arbeit nicht aus.


Herr Heiniger, Sie sind bekannt für Ihre Fitness. Haben Sie sich mit Ihren 62 Jahren dennoch schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie dereinst betreut werden möchten, falls Sie zum «Pflegefall» werden?

Ja, selbstverständlich. Ich erlebe es direkt und hautnah, denn meine 94-jährige Mutter ist dement, und ich bin ihr einziges Kind. Sie ist seit einiger Zeit in einem Pflegeheim, und ich sehe, was es bedeutet, wenn man auf Pflege und Unterstützung angewiesen ist. Es gibt sie nicht, das ewige Leben und die ewige Spannkraft. Auch nicht für mich. (Lacht.)

Ist Ihnen die Vorstellung, irgendwann vielleicht in ein Pflegeheim zu müssen, ein Graus?

Nein, gar nicht. Für mich ist nicht entscheidend, ob ich in meinen langjährigen eigenen vier Wänden bin oder an einem neuen Ort. Wichtig ist mir, dass ich mich daheim und wohl fühlen kann – und in Würde leben darf. Eine Voraussetzung dafür ist, dass ich auch in einem Heim möglichst viel in meinem Alltag selbstbestimmt machen kann und mich nicht in ein starres stationäres Setting einpassen muss. Denn das liesse mich schneller altern und unselbständig werden.

Diese Aussage ist typisch für einen Vertreter der Babyboomer-Generation, für den die Autonomie sehr wichtig ist. Was braucht es, damit dies auch im hohen Alter möglich ist?

Es gibt mehr Pflegebedürftige, mehr Demente, mehr spezialisierte Leistungen, die Palliativpflege am Lebensende bekommt stets grösseres Gewicht. So brauchen wir garantiert mehr als die zwei klassischen Optionen – das Leben im eigenen Daheim mit Pflege und Unterstützung durch die Spitex einerseits, den Übertritt in ein Pflegeheim andererseits. Wir brauchen flexible, alternative Formen wie beispielsweise Tagesstätten oder das betreute Wohnen. Das sind Wohnungen mit einem angegliederten Betreuungs- und Pflegeangebot von der Spitex, von Heimen oder Dritten. Die Bewohner können bei Bedarf auf diese Dienstleistungen zurückgreifen. Das sollten wir weiter fördern, zumal solche Formen günstiger sind als die starren klassischen Angebote.


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Bildquelle: Print Screen nzz.ch


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