Das Elend in den Altersheimen (nzz.ch)

cz - 03.09.2019
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Das Elend in den Altersheimen


(Quelle: nzz.ch, Anja Burri und Gordana Mijuk, 06.05.2017)


Sie bekommen zu wenig Essen, werden mitten in der Nacht geduscht und mit Medikamenten ruhiggestellt. Menschen in Altersheimen leiden. Grund ist der Spardruck Menschen.


Die Pflegerinnen kommen in der Nacht, Stunden vor Sonnenaufgang, und reissen Demenzkranke aus dem Schlaf. «Wir beginnen sie sehr früh zu waschen, damit wir zeitlich durchkommen», sagt Veronika Schaub. Sie arbeitet als Pflegerin in einem Alters- und Pflegeheim im Aargau. Am Tag seien zu wenig Pfleger da, deshalb müsse die Nachtwache deren Arbeit übernehmen.

Dass die frühe Wäsche gezielt die Demenzkranken trifft, hat einen perfiden Grund. Sie sind vergesslich und können ihren Angehörigen nicht erzählen, was mit ihnen gemacht wird. «Es ist furchtbar, wehrlose Menschen so behandeln zu müssen», sagt Veronika Schaub.

Das Heim spare an allen Ecken und Enden, bei der Pflege, bei der Betreuung. Es fehle an Personal. Schaub und ihre Kolleginnen finden kaum Zeit, mit den Bewohnern zu reden. «Ist jemand einmal traurig, kann ich ihn oder sie nicht einmal trösten», sagt Schaub, die eigentlich nicht so heisst. Ihren richtigen Namen kann sie nicht preisgeben. Sie fürchtet, ihre Stelle zu verlieren, würde sie sich öffentlich über die Zustände beklagen.

Paola Tanner hat keine Angst. «Schreiben Sie ruhig meinen Namen», sagt sie. Ihre 89-jährige Mutter lebt im Pflegeheim Senevita Lindenbaum in Spreitenbach. Und genau hier will Paola Tanner Missstände anprangern. Ihre Mutter war kürzlich im Heim gestürzt und hatte furchtbare Schmerzen, konnte kaum gehen. Doch das Personal intervenierte nicht. Der Stationsleiter untersagte den Pflegern sogar, der 89-Jährigen das Bett zu machen. Die Tochter brachte sie am Ende selber zum Arzt. Diagnose: Lendenwirbelfraktur.

Das Heim spart auch beim Essen. «Ich musste meiner Mutter einen Kühlschrank kaufen und bringe ihr regelmässig Proviant», erzählt Tanner. Im Heim gebe es nur minderwertiges Essen. «Manchmal tischen sie die äussersten Blätter des Salatkopfes auf, die man normalerweise wegwirft.»

Frühere Angestellte erzählen, dass sich je zwei Bewohner ein 90-Gramm-Joghurt zum Frühstück teilen müssten. Die Lasagne habe bloss eine Schicht Pasta mit etwas Hackfleisch drauf, ohne Béchamelsauce.

Zehntausende werden ruhiggestellt
Eine ehemalige Pflegerin eines Heims erinnert sich, wie Demenzkranke oft in ihren Exkrementen lagen und sich mit dem Stuhl beschmierten. Manche landeten mit Blutvergiftung im Spital. Dabei gäbe es Ganzkörper-Bodys, die das verhinderten. Von denen waren im Heim jedoch nur wenige vorhanden.

Tatsächlich trifft es Demenzkranke am härtesten. Sie sind hilflos. Damit man sie nicht ständig aufs WC begleiten muss, werden ihnen in manchen Heimen Katheter gelegt, ohne dass sie sich dagegen wehren könnten. Oder sie werden mit Medikamenten ruhiggestellt. So ist es einst auch einem Mann ergangen, nennen wir ihn Fritz Künzli, ein grosser, kräftiger Mann, dessen Demenz ihn aggressiv gemacht hat.

Im Heim im Berner Oberland kümmerte man sich wenig um ihn, obwohl er als schwerer Pflegefall eingestuft war und Anspruch auf intensivere Pflege gehabt hätte. Den Pflegenden wurde angeordnet, ihn mit Medikamenten ausser Gefecht zu setzen. So vegetierte er nur noch vor sich hin, starrte ins Leere, während aus seinem Mund der Speichel rann. Die Ehefrau konnte nichts tun. Sie traute sich nicht, die Entscheide der medizinischen Fachpersonen infrage zu stellen.

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https://nzzas.nzz.ch/hintergrund/elend-in-den-altersheimen-ld.1291053?KAVZ=0323-0040-01-010

Bildquelle: Print Screen nzz.ch

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