AAL im Alters- und Pflegeheim Sektor - was erwartet uns?

TP - 12.03.2019
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Intelligente Maschinen werden zu erhöhter Lebensqualität und Sicherheit beitragen.

AAL steht für Ambient Assisted Living und gewinnt zusehends an Bedeutung in der Pflege- und Betreuungslandschaft. Es handelt sich hier um eine «intelligente» Technik, welche sensibel und anpassungsfähig auf die Umgebung des Menschen und ihn selbst reagieren kann. Das erklärte Ziel von AAL ist, einerseits den betroffenen älteren und/oder physisch wie kognitiv leicht benachteiligten Menschen ein möglichst langes Wohnen in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und andererseits unterstützende und zudienende Arbeits- und Controlling-Prozesse in einer stationären Langzeit-Institution zu übernehmen.

Die EU hat nicht zuletzt auf Grund der demographischen Bevölkerungsentwicklung (proportionale Zunahme von Menschen im Rentenalter) und des sich zuspitzenden Pflegefachkräfte-Mangel die Notwendigkeit von neuen Ansätzen wie z.B. AAL erkannt und deshalb Entwicklungs- und Forschungsgelder in Milliardenhöhe bewilligt.

Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass die Spezies «Mensch» – also wir – menschliche Wesen sind, welche ohne Interaktionen, Empathie und Emotionen verkümmern, gar sterben würden. Gleichzeitig wissen insbesondere die Pflegefachkräfte, dass es Arbeiten gibt, welche einen unmittelbaren Austausch mit den Bewohnenden eher behindert als fördert. Genau hier setzt AAL ein.

Auch wenn vom unsichtbaren Mitbewohnenden gesprochen wird und von Beobachtung, ist hier nicht das Ziel, einen gläsernen Patienten zu erschaffen. Es sind auch grundsätzlich keine Überwachungsvideokameras vorgesehen. Um was geht es dann?

Mit Drucksensoren, Bewegungssensoren, Fühlern und weiteren Erkennungsinstrumenten sollen die Bewegungen und das Verhalten einer betroffenen Person in einem Zentralcomputer erfasst werden. Dieser hat die Aufgabe, ausserordentliche Veränderungen zu erkennen und in solch einem Fall Alarm zu schlagen oder selbst aktiv zu werden. Würde z.B. eine betroffene Person unerwartet bewusstlos, könnte dies mit AAL erkannt werden. Der klassische Notknopf versagt hier. Es könnte z.B. aber auch sein, dass die betroffene Person am Backen oder Kochen wäre, kurzfristig abgelenkt würde und danach nicht mehr an die Kochplatte oder den Backofen denkt. Hier würde eine Erinnerung abgegeben oder allenfalls die Geräte ferngesteuert ausgeschalten werden. Weniger dramatisch aber ebenso wichtig und effektiv könnten auch übersichtliche Displays daran erinnern, wer heute zu Besuch kommt, wen man noch anrufen sollte, welche Einkäufe notwendig sind oder was heute im unmittelbaren Umfeld zu erledigen wäre. Auch die Erinnerung an die Medikamenteneinnahme könnte so erreicht werden. Eine zentrale Fernbedienung für alle Geräte, welche gar mit Sprachkommando abgegeben würde, könnte eine weitere Erleichterung im Alltag der Betroffenen darstellen. Bei vielen Menschen, welche das Angebot von AAL in Anspruch genommen haben, wurde dies als Sicherheit und Schutz-Angebot empfunden.

Auf Grund der aktuell noch höheren Installierungskosten, wird vermutet, dass zuerst stationäre Pflegeinstitutionen AAL im grossen Stil einsetzen werden. Hier ist z.B. die Idee, dass Sensoren die Vitalwerte und/oder Bewegungen von Bewohnenden mittels Matten erfassen und somit die individuelle Interaktion je nach Bedarf mehr Platz hätte. Aber auch begleitende Roboter könnten den entscheidenden individuellen und persönlichen menschlichen Kontakt verstärkt ermöglichen. Dies, da Arbeiten wie z.B. Schmutzwäsche entgegennehmen, Verpflegung bringen und abholen, Nachtwachkontrollgänge übernehmen, vorbereitende medizinische Leistungen erbringen oder Prozessabläufe erfassen und speichern können, delegiert würden.

Es werden auch Roboter entwickelt, welche eine Ähnlichkeit zu Haustieren und menschenähnlichen Personen haben. Diese sind insbesondere auch bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz vorgesehen. Sie sollen die taktil kinästhetischen Reaktionen fördern und ein Auseinandersetzen mit der persönlichen Umgebung ohne Zeitdruck erlauben.

Neben diesen tierähnlichen Robotern sind auch Roboter für die Unterhaltung und Aktivierung als Unterstützung und Ergänzung vorgesehen. Sie sollen kommunizieren können und zur Aktivierung wie auch Flüssigkeitsaufnahme anregen. Das jeweilige Verhalten wird zu Anamnese-Zwecken festgehalten.

In Anbetracht der prognostizierten dramatischen Entwicklung ist wahrscheinlich allen klar, dass eine Unterstützung mit AAL-Angeboten unumgänglich ist und zugleich zu erhöhter Lebensqualität und Sicherheit beitragen wird. Gleichzeit sind sich alle Beteiligten bewusst, dass AAL niemals die Einzigartigkeit des menschlichen Daseins leben kann. Es ist deshalb wichtig, dass hierfür genügend Zeit durch «menschliches» Pflegepersonal zur Verfügung gestellt werden kann. AAL darf auch nie zum «big brother is watching you» verkommen. Es ist deshalb wichtig, die Orwell-Horrorszenarien mit allen Mitteln zu verhindern.


Ihr Orahou.com Team


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